Bücher
Als Timo Bluncks erster Roman veröffentlicht wurde, war er 55 Jahre alt. »Ich habe aber immer schon geschrieben«, behauptet er. Und tatsächlich - als Komponist und Songtexter sind über 2000 Titel bei der GEMA unter seinem Namen gemeldet. Allerdings - kaum eins dieser Werke überschreitet 5 Minuten. Blunck besteht aber darauf, dass der einzige Unterschied zwischen einem Song und einem Roman die Länge sei. »Beides sind literarische Konzepte.« Für uns riecht das nach klassischem Retcon - der Künstler bastelt sich retroaktiv eine Autorenkarriere. Zum Glück kann Blunck wirklich schreiben.
»Schwarzhumorig, gnadenlos spannend und mit einem Twist, der dir das Blut in den Adern gefrieren lässt. Blunck liefert einen Krimi, der rockt!«
Thomas Becker, Bookfluencer, zu ›Ein kleines Lied über das Sterben‹
»Was Blunck gut kann, sind zeithistorische Szenen mit Promifaktor.«
Jenny Hoch, Die Zeit, zu ›Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern?‹
Neon Baby
IM HANDEL AB DEM 30.9.26
Dieser Artikel zu NEON BABY erschien kürzlich auf dem Newsportal »Echo des Nordens.de«
Ein Popstar, ein Deichbruch und die Liebe als letzte Zumutung
von Liane Huwaldt
Timo Bluncks NEON BABY beginnt dort, wo ein guter Kriminalroman beginnen darf: im Schlamm. Nach Starkregen und einem Deichbruch werden am Cranzer Hauptdeich sechs Leichen freigelegt. Junge Menschen, auffällig gut erhalten, fast nackt, ohne persönliche Gegenstände. In ihren Haaren: Gummibänder. Die Presse hat sofort einen Namen zur Hand: Der Gummiband-Killer ist geboren.
Aber Blunck interessiert sich nicht nur für die Frage, wer diese Menschen getötet hat. Ihn interessiert, welches System solche Toten hervorbringt.
NEON BABY ist ein harter, schwarzhumoriger Noir-Thriller, der seine Schauplätze zwischen dem Hamburger Stadtteil Niendorf, der Lüneburger Heide, Berlin, Hannover und Oaxaca/Mexiko aufspannt. Im Zentrum steht Tom Mangold, ehemaliger Hamburger Kommissar, ein Mann, der von seinem letzten Fall, seiner Kokainsucht und der eigenen Gefühlskälte schwer beschädigt ist. Sein Psychiater Sunil Chakraborty, ausgerechnet auch noch Toms zukünftiger Schwiegersohn, stellt ihm eine Diagnose, die zunächst wie eine groteske Pointe klingt: Tom hat nur noch ein halbes Jahr zu leben, wenn er es nicht schafft, sich zu verlieben.
Das ist eine schöne Zumutung für einen Kriminalroman: Der Ermittler muss nicht nur einen Fall lösen, sondern wieder empfindungsfähig werden.
Während Tom mit seiner Familie, seiner Vergangenheit und den Restbeständen seiner Seele ringt, führt der Mordfall in eine grelle Welt aus Popkultur, extremen Reichtum und makabrer Inszenierung. Junge, schöne, talentierte Menschen geraten unter falschen Versprechungen in ein Projekt, das nach Kunst, und exklusivem Entertainment aussieht, tatsächlich aber sehr viel dunkler ist. Eine zentrale Figur ist der Popstar Neptun Riva, eine charismatische, schillernde Künstlergestalt, die eine ganze Generation fasziniert - auch Toms Kinder Merle und Elias.
Blunck nutzt diesen Popstar nicht nur als Thriller-Motiv. Neptun Riva steht für eine Gegenwart, in der Ruhm, Geld und Macht einander magnetisch anziehen. Der Roman erzählt von Tech-Milliardären, Bro Culture, Pop-Mythen, moralischer Enthemmung und einer Hybris, die irgendwann in Gewalt umschlägt. Menschen werden hier zu Rollen, Objekten, Beute. Das ist drastisch, manchmal grotesk, oft absurd komisch - und gerade deshalb näher an der Wirklichkeit, als einem lieb sein kann.
Seine stärksten Momente hat der Roman dort, wo er das Große und das Private kurzschließt. Der Fall wird für Tom immer persönlicher: durch seine Nähe zu Neptun Riva, durch seine Kinder, durch seine Angst, innerlich zu sterben. Neben ihm stehen Figuren, die dem Buch Wärme und Tempo geben: Maja Ajani, eine schwarze Nachwuchspolizistin mit scharfem Verstand und trockenem Humor; Elias, wütend und loyal; die Stripperin Rosie Freytag, verletzlich und mutig; dazu die Hunde Knef und Zartbitter, die inmitten all der Gewalt fast schon als moralische Instanz auftreten.
NEON BABY ist kein stiller Krimi. Der Roman will viel: Noir, Familiendrama, Gesellschaftssatire, Pop-Roman, Groteske, Gewaltstudie. Nicht immer ist das elegant, aber fast immer energetisch. Blunck schreibt mit Lust an Übertreibung, Tempo und Dialog. Der Ton ist hart, bildstark, manchmal bewusst geschmacklos, dann wieder überraschend zärtlich.
Am Ende ist NEON BABY weniger ein Roman über einen Mörder als über eine Welt, in der Menschen zu Ware werden. Über Eliten, die sich jenseits von Moral und Recht wähnen. Über Pop als Verführung und Machtmaschine. Und über Liebe als vielleicht letzte Gegenkraft.
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Ein kleines Lied
über das Sterben
»Grotesk, spannend, blutig. Ein rasanter Niendorf-Noir. Unbedingt vormerken.«
Torsten Meinicke, CulturMag
JETZT ERHÄLTLICH
Sex, Drugs und die zärtliche Melodie einer Kettensäge.
Achtung, hier kommt eine etwas ausführlichere Zusammenfassung des Romans, verfasst von Leslie Schmidt - keine Spoiler, aber wer sich total überraschen lassen möchte, lässt die Finger davon.
Tom Mangold war einmal der Star der Hamburger Mordkommission, seine Aufklärungsquote rekordverdächtig, beliebt bei seinen Kolleginnen und Kollegen und glücklich verheiratet. Bis zu dem Tag, an dem er über eine Affäre mit dem Anwalt stolperte, der ausgerechnet den Hauptverdächtigen in einem seiner Fälle vertrat. Danach ging alles ganz schnell: grobes Fehlverhalten, Job weg, Frau weg, Perspektive weg, Selbstbewusstsein im Keller. Heute wohnt Tom in einer Laube in einem Kleingartenverein im Hamburger Nordwesten, am Rande des Flughafens, arbeitet als Hundefänger, hadert mit seiner Bisexualität und ist dem Kokain zugeneigt.
So vergehen die Tage, einer gleicht dem anderen, nur die Affären wechseln. Bis plötzlich Knef, eine Straßenhündin aus Rumänien, in Toms Leben tritt: Sie streunt mit blutiger Schnauze in der Gegend herum. Der Versuch, die Hündin zu ihrem Besitzer zurückzubringen, gestaltet sich turbulenter als erwartet, denn Tom entdeckt dabei die Leichen der Geschwister Julia und Marius Müllensiefen. Zufall? Wohl eher nicht, meint zumindest der absolut unausstehliche Hauptkommissar Paul Streber, Toms ehemaliger Kollege und zynischer Widersacher. Er ist der Überzeugung, dass Tom auch in dieser Angelegenheit Dreck am Stecken hat. Dieser hat jedoch ganz eigene Theorien und ermittelt ohne Befugnisse und mit einer guten Portion Dreistigkeit privat weiter. Natürlich will er seinen Kopf aus der Schlinge ziehen, es würde ihm aber auch ganz gut passen, Streber einen gehörigen Dämpfer zu verpassen – und nicht zuletzt will er dank seines ausgeprägten Gerechtigkeitssinnes herausfinden, was es mit den beiden Morden auf sich hat.
Was folgt, ist eine schicksalhafte Begegnung: Während seiner Nachforschungen trifft Tom auf Josepha Goldstaub – eine Frau ganz besonderen Kalibers, von deren magnetischer Anziehung er schnell fasziniert ist. Doch Josepha ist nicht nur wunderschön, scharfsinnig und witzig, sondern auch eine kaltblütige Mörderin mit ganz besonderen Vorlieben und einer Schwäche für die Band Hall & Oates. Die Femme fatale tötet ausschließlich Männer. Jedes ihrer Opfer hat es in ihren Augen verdient zu sterben, ihre Antwort auf toxische Männlichkeit ist – schlicht und einfach – Mord. Äußerst brutal und sehr blutig. Um in Kontakt mit ihrem Auserwählten zu treten, zieht sie mühelos alle Register, zeigt sich anpassungsfähig wie ein Chamäleon und schlüpft in unterschiedliche Rollen, präzise abgestimmt auf das jeweilige Zielobjekt. Hat sie die Männer am Haken, tickt für diese erbarmungslos die Uhr. Und auch wenn Tom so eine Ahnung hat, dass mit Josepha etwas ganz und gar nicht stimmt, erliegt er ihrem Charme – was ihn in eine ziemlich prekäre Lage bringt ...
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Die Optimistin
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Auf der Flucht vor seiner arrangierten Hochzeit schlüpft Toygar Bayramoğlu in einem Altersheim an der Ostssee unter. Dort lernt er die 80-jährige Charlotte Keller kennen. Die ungewöhnliche alte Dame erzählt ihm innerhalb zweier Tage ihre Lebensgeschichte. Charlottes Biographie ist ein Spaziergang durch die „wahre“ deutsche Geschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Vom Nationalsozialismus, der Nachkriegszeit und dem Wirtschaftswunder über das Hamburg der Beatles, den Blumenkindern und der Studentenbewegung bis zur RAF und der Stasi. Sie spielte an der Seite von Heinz Erhardt, war die Geliebte von Ringo Starr, die Nachbarin von Ulrike Meinhof und ein Schlagerstar in der DDR. ›Die Optimistin‹ ist eine amüsante Alternativgeschichte voller politischer und popkultureller Verweise, die Verbindungen zieht, wo bisher keine waren und man sie nie vermutet hatte. Gibt es ebenfalls als Hörspiel mit 12 Schauspieler*innen, extra dafür komponierter Musik von Roland Wolff und einem ausgefuchsten Sounddesign.
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Hatten wir nicht mal sex in den 80ern?
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Nachdem eine Party-Nacht in der Notaufnahme endet, stellt Schröders Schwester ihn vor die Wahl: »Entweder Therapie, oder ich sags Mama.« So findet er sich auf der Couch der Kette rauchenden Psychologin Dr. Schulz wieder und erzählt ihr sein Leben: Von den Saunapartys der Hippie-Eltern. Von der ersten Liebe, die tragisch endete. Von ausverkauften Konzerten seiner Band Villa Hammerschmidt. Von Mardi Gras in New Orleans, Kneipenschlägereien in London und bizarren Orgien in Hamburg. Und natürlich von Sophia, der Frau, für die er alles tun würde. Dumm nur, dass es Knirpsi gibt – Schröders bösen Zwilling, der in seinem Kopf wohnt und nie aufhört, ihn zu wilden Exzessen anzustiften … Das Hörbuch spricht übrigens der Autor selbst, mit je nach Katerlage unterschiedlich hohem Level von Whiskey-Stimme (damals trank er noch).
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›Ein kleines Lied über das Sterben‹ —
Video-Blurb »Dohlenhorst«
Wir erwähnten es bereits, Ein kleines Lied über das Sterben spielt in weiten Teilen in einer Kleingartenkolonie. Dieses kurze Filmchen erzählt nun auch etwas über die Jahreszeit: Die Handlung ist im Herbst angesiedelt, genauer im goldenen Oktober. Timo Blunck mag es, wenn in Büchern die Farben der Blätter beschrieben werden. Und die Gerüche und Temperaturen. Und der Geschmack der Mahlzeiten. Und wie sie im Mund liegen. Mehr zu sagen, wäre spoilern.
›Ein kleines Lied über das Sterben‹ —
Video-Blurb »Rahweg«
Dieser Hund ist nicht KI - es gibt ihn wirklich. Oder besser, es gibt sie wirklich, denn für Bluncks Protagonistin Knef war seine Hundedame Jule die Vorlage. Die kommt zwar aus Niedersachsen und nicht aus Bukarest, ist aber mindestens genauso schlau wie Knef. Und schüttelt wahrscheinlich auch genauso oft den Kopf über ihr Herrchen wie die rumänische Straßenhündin.
›Ein kleines Lied über das Sterben‹ —
Video-Blurb »Suardonenweg«
Ein kleines Lied über das Sterben spielt in Niendorf, einem Vorort am oberen linken Zipfel von Hamburg. Hier ist Timo Blunck aufgewachsen, und zwar im Bataverweg. Der Name ist typisch für die Gegend, denn in Niendorf heißen die eine Hälfte der Straßen nach germanischen Stämmen, die andere wurde nach Städten in Sachsen-Anhalt benannt. Weiß der Teufel warum. Den Suardonenweg gibt es nicht, denn er liegt so dicht am Flughafen ›Helmut Schmidt‹, dass hier keiner mehr wohnen dürfte. Also der ideale Platz für den Kill Room einer Serienmörderin. Wie kommt Blunck bloß auf derart abgründige Szenarien? Sein Gehirn möchte man nicht sein müssen.