Musik
Timo Blunck war mal Popstar. Für ungefähr 20 Minuten. Da war er 19, und somit ist der Höhepunkt seiner Musiker-Karriere fast 40 Jahre her. Wenn er heute in die Saiten haut, dann eigentlich nur, um seine Bücher mit einem ordentlichen Soundtrack zu versorgen. Frei nach dem Motto: Das Ohr liest mit!
»Eine schöne Idee, die Blunck da umgesetzt hat: Sein Romandebüt mit Musik zu illustrieren und die Kapitel in Songgestalt noch mal aus anderer Warte zu spiegeln.«
Thomas Hübener, SPEX, zu ›Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern?‹
Der Schlaf Fotograf
2025
Aus den Linernotes von Liane Huwaldt:
Der Schlaf Fotograf: Eine Jazz-Odyssee in 10 Songs
Schmeißt eure Chromteile weg und spitzt die Ohren, Leute, denn Timo Bluncks neuestes Werk ist eine wilde Jagd durch die abstrakten Dschungel von Klang und Wort. Dies ist nicht einfach nur ein Album, es ist ein Trip in die unerforschten Territorien von Bluncks Geist, wo die Fiktion regiert und die Realität nur als Kulisse dient.
Die nackte Göttin - Eine Bläser-Fanfare wirft uns zurück in eine digitale Parallelwelt, in der Blunck die Venus von Milo postet und von der Algorithmus-Polizei wegen Pornografie gesperrt wird. Der Song verbindet den antiken Eros mit der verzerrten Wucht elektrischer Gitarren, zitiert Gustav Schwab und verbeugt sich vor den Coen-Brüdern. »Sie ist die schönste Voodoo-Puppe in meiner Bauchtanzgruppe.« Eine funkige Reise durch eine Dimension, in der die Götter noch flüstern.
Anfänger für Fortgeschrittene - Entstanden in einer durchfeierten Nacht beim Filmfest in Cannes, in der sich Blunck und seine Truppe an der Croisette / Ecke Rue du Dr. Zamenhof trafen, um über den polnischen Augenarzt zu phantasieren und ihn dabei vom Erfinder des Esperanto zum kosmischen Dealer und Kultführer zu machen. »Du sangst früher Schubert und Belcanto, jetzt singst du nur noch Esperanto.« Ein Track wie eine Zeitmaschine, die zwischen den Schatten der Vergangenheit und dem Dämmerlicht der Zukunft schwingt, eine halluzinatorische Jam-Session an der Côte d'Azur.
Der kleinste IQ der Welt - »Schmeisst die tumben Nazis in den See!« Ein Schlachtlied gegen Rechts, geschrieben unter dem Eindruck des G20-Gipfels in Hamburg und der dort versammelten Autokraten, umhüllt von Bluncks eigener kafkaesker Begegnung mit dem Gesetz. Es ist ein Lied, das in beißendem Sarkasmus schwimmt, wie eine Noir-Detektivgeschichte im Boogie-Rhythmus, der so unerbittlich stampft wie der Marsch der Bürokratie.
Der denglische Patient - Ein interkultureller, zweisprachiger Herzensbrecher, gemeinsam geschaffen mit Bluncks amerikanischen Sohn Elliot. Hip-Hop-Beats treffen auf poetische Flows und fangen den bittersüßen Schmerz der Liebe ein, die in der Übersetzung verloren geht. »Goddamn motherfucker, why I gotta love you so much?« Es ist der Blues für die globalisierte Seele.
Wasserherz / Das Gegenteil von Allem - Sci-Fi-Sounds für die nahe Zukunft, in der Musk und Bezos Gott spielen und Fords Economy-Class-Raumschiffe den Himmel befahren. »Lust auf unsterblich? Gibt’s im Hyperspeed.« Eine zweiteilige Klang-Melange à la Philip K. Dick, in der das »Wasserherz« zunächst in einem hoffnungsvollen Quickstep pulsiert, um dann im Slowfox des Zweifels zu versanden.
Notiz an mich selbst: Fick dich! - Ein kathartischer Schrei ins Nichts, das Mantra einer Absturzakrobatin, die immer knapp an der Selbstfindung vorbei schlittert. Ursprünglich für Bluncks Schwester Rica geschrieben, fand dieser komplett selbstzerstörerische Salsa zum Glück seine rettende Stimme in der leider viel zu früh verstorbenen Sängerin Regy Clasen. »Streiten, ficken, posten. Herz-Emoji, ghosten.« Hätte Regy nie gesagt.
Engelfrikassee - »Engelfrikassee ist Menschenfleisch.« Vom Buch zum Song (Bluncks erster Kriminalroman »Ein kleines Lied über das Sterben« erscheint zeitgleich bei Emons), taucht dieser düstere Reggae in das Grauen des Kannibalismus, ist eine scharfe Reflexion über das letzte Tabu der modernen Gesellschaft. Basierend auf Bluncks Geschichte über eine Frau, die nur toxische Männer mordet und dann auf höchstem kulinarischen Niveau zubereitet, singt es eine makabre Melodie, die an den Rändern der Zumutbarkeit nagt.
Schwiegervater für eine Nacht - Basierend auf einer wahren Begebenheit, ein Lied über jenes unangenehme Erwachen, bei dem man eine alte Flamme als neue Freundin des eigenen Sohnes am Frühstückstisch begrüßt und ihr ein paar Eier Benedict pochiert. »Lichter an, denn Dichtermann will dichter ran an dich.« Schüttelreim-Chic, solange jemand einen entspannten New-Orleans-Shuffle dazu trommelt.
Der Schlaf Fotograf - »Am Bettrand, ein lodernder Schatten.« Eine nächtliche Serenade, inspiriert von einem Fotografen, der im Chateau Marmont in L.A. heimlich in Zimmer schlich, um schlafende Paare zu fotografieren. Dieser langsame Waltzer sendet direkt aus dem Kopf des Träumers, wo Ober- und Unterbewusstsein in einem surrealen Blitzlicht kollidieren.
Die Geheimratsecken des Lebens - Ein Lamento in vier Akten über Einsamkeit, die Blunck als verlorene Insel darstellt. Es ist eine Meditation über den unerbittlichen Fortschritt des Alterns und die letzte Zuflucht des Verstands, kulminierend in der ikonischen Zeile: »Zeit ist ein Monster, ich löse mich auf.«
Da habt ihr es, ein Album, das mehr ist als nur Musik: Timo Bluncks dritter Alleinflug ist die Leinwand eines zeitgenössischen Beat-Poeten, der Groove, der mit deinem Gehirn schmust, eine jazzdurchtränkte Odyssee durch das vogelwilde Reich seiner Vorstellungskraft. Der Schlaf Fotograf ist LSD auf Rezept - Timothy Leary hätte seinen Spaß daran gehabt.
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Die Zimmermänner spielen Skafighter
2023
SKAFIGHTER: EINE ERINNERUNG, EINE PLATTE, EINE FIKTION
von Detlef Diederichsen
Sie halten in den Händen: eine Platte, die es nicht geben kann. Denn wir haben es versäumt sie zu machen, damals 1980, nachdem Alfred Hilsberg unsere erste EP auf ZickZack herausgebracht hatte und wir uns ein abendfüllendes Repertoire deutschsprachiger Ska-Stücke erarbeitet hatten. Wir wollten weiter, weg von der Festlegung auf Ska, hin zu den unendlichen Möglichkeiten, die das Pop-Universum bietet. Und so ließen wir sie am Wegesrand zurück, „Lieselotte“, „Eberhard Karolczak“ und wie sie alle hießen. Bis wir das Alter erreichten, in dem man immer häufiger in den Rückspiegel blickt und sich überlegt: Wie war das eigentlich, damals? Und wieso so und nicht anders? Hätte man nicht und wäre es eigentlich nicht viel besser gewesen, wenn ...? Kurz gesagt: Wir spürten eine gewisse Reue, seinerzeit nicht das erste deutschsprachige Ska-Album aufgenommen zu haben, das wir eigentlich in uns gehabt hatten. Und überlegten, ob man diesen Fehler womöglich im Nachhinein rückgängig machen kann ...?
Rein technisch wäre das 2022 natürlich leicht möglich gewesen. Tatsächlich begannen wir mit dieser Zielsetzung die vorliegende Produktion, wollten die alten Stücke mit der Fidelity von 1980 nachbauen und womöglich ein kleines Märchen über ein Lost Album und beim Kelleraufräumen gefundene Tapes dazudichten. Doch dann geschah etwas Seltsames: Die Songs übernahmen die Macht bzw. raunten uns zu: Leute, das könnt ihr doch viel besser. Und wir schauten kurz beschämt zu Boden und nickten dann stumm. Geschichtsfälschung ist ohnehin keine Lösung.
Wir stiegen also ein in den Erinnerungszug und ließen uns davontragen. Wir staunten über das Selbstbewusstsein und die Frechheit, ja Unverschämtheit, die unsere ersten Musikversuche prägten. Und ließen uns von unseren so keck daherkommenden jüngeren Selbsten sogar insoweit einschüchtern, dass wir die Stücke nicht grundlegend veränderten, nicht aus der Zeit hoben, sondern uns immer wieder fragten: Hätte ich diese Idee auch damals gut gefunden?
Immerhin konnte uns die Euphorie, die dieses Arbeiten bei unseren heutigen Selbsten auslöste, dazu verleiten, das damalige Repertoire historisch inkorrekt leicht zu erweitern: um Stücke, die 1980 noch nicht geboren waren, sondern erst 1981 oder 1982, die mit Ska oder Reggae ursprünglich nichts mehr zu tun hatten, die aber geeignet schienen, in diesen Kontext eingepasst zu werden.
Wir hatten keine Aufzeichnungen mehr von 1980, nur unser Gedächtnis, was weniger bei der Musik, aber umso mehr beim Text zum Problem hätte werden können. Nur waren wir nun unseren früheren Geisteszuständen wieder so nahe gekommen, dass wir meinten, uns die Freiheit nehmen zu dürfen, einige fehlende Zeilen hinzuzufügen, in der Hoffnung, der Intention von dereinst einigermaßen zu entsprechen. Mögen die frechen jungen Skafighter von 1980 den Skafighter-Großvätern von 2022 diese Überschreitung nachsehen!
Endeten meine Ambitionen und meine Phantasie mit dem Stadtfein-Machen der adoleszenten Originale, ging es bei Timo nun erst los. Der erste Sprung, mit dem er die ursprüngliche Eingrenzung des Projekts überwand, war womöglich eine Folge von überlangen Aufenthalten im Wunderland der Erinnerung: Nun wollte er nicht mehr sein früheres Selbst sein, bzw. ihm bei der Fertigstellung und Verbesserung alter Ideen zur Seite stehen – jetzt wollte er einen Schritt zur Seite tun und die Lebensumstände, die Konflikte, die kreativen Prozesse und den Zauber der Zeit einfangen, in der das kurze Leben der Skafighter lag. Seine kompositorischen Beiträge zu dieser Platte entstammen zum größten Teil dieser Intention.
Sie sehen: So wie die Platte klingt, die Sie jetzt in den Händen halten, hätte das Skafighter-Album von 1980 niemals geklungen. Es hätte nur so klingen können, wären wir damals das gewesen, was wir heute sind. Was wir aber nicht waren und auch niemals hätten sein können. Sie sehen: eine unmögliche Platte.
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Das Mädchen mit der Elektrolele
2021
Wer ist Charlie Keller?
Statt euch wieder mit einer seiner launigen Erklärungen die Zeit zu stehlen, hat Timo Blunck diesmal einfach ein Video anfertigen lassen. Die Idee für diesen Kniff kam ihm übrigens, als er auf YouTube nach einer Gebrauchsanleitung für seine Bohrmaschine suchte.
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DIR GANZE WELT DREHT SICH IM KREIS
2021
LIFE IMITATES ART - in Timo Bluncks Roman »Die Optimistin« behauptet die Protagonistin Charlotte ›Charlie‹ Keller, sie sei in den späten 1970ern ein Star in der DDR gewesen und hätte ihre Platten auf AMIGA veröffentlicht, der einzigen ostdeutschen Plattenfirma. Kaum war das Buch im Handel, meldete sich tatsächlich die echte AMIGA, ein paar Monate später erschien Charlie auch im richtigen Leben bei diesem legendären Label, und zwar im standesgemäßen FDJ-blauen Vinyl! Hier ist der offizielle Pressetext dazu (Auszug):
»Wer ist Sie? Wenn wir die Geschichte von 75 Jahren AMIGA erzählen, haben wir bisher ein Kapitel immer unterschlagen. Das hat uns selbst erstaunt, als die ersten Gerüchte auftauchten. Alte Bänder wurden entdeckt, Experten befragt, Recherche betrieben und trotzdem blieb die Frage offen. Wir dachten, wir kennen unser Archiv, nur warum kennt Sie scheinbar keiner, war Sie doch Hausgast bei Erich und Egon, Liebling der Kulturredaktion von AMIGA, Gast in Top TV Shows wie „Ein Kessel Buntes“ und dennoch kann sich keiner so richtig erinnern, wer Sie eigentlich war. Nur ungenaues ist zu erfahren, etwa dass Sie offenbar ständig an der Seite von Ringo Starr zu sehen war …«
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Diskographie
Timo Blunck
Hatten Wir Nicht Mal Sex In Den Achtzigern?
2018
Ein Album als Selbsttherapie. Die 12 Songs auf »Hatten wir nicht mal Sex in den Achtzigern?« schafften, was kein Psychologe vorher für möglich gehalten hatte: Timo Blunck begrub seine Dämonen! Titel wie »Der zärtlichste Psychopath« oder »Da kann ich mich auch gleich mit Benzin übergießen« sprechen Bände, aber der heimliche Höhepunkt dieser Scheibe bringt es am besten auf den Punkt - »Ich bat um Füße, er gab mir Flügel«.
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Die Zimmermänner
Ein Hund Namens Arbeit
2014
Wenn's nach Timo Blunck ginge, würden die Zimmermänner jedes Jahr ein Album rausbringen. Zum Glück ist sein bester Freund und Co-Songschreiber Detlef Diederichsen etwas zurückhaltender, und so erscheint im Durchschnitt nur alle 10 Jahre eine neue Platte des Hamburger Duos. 2014 war das »Ein Hund namens Arbeit«, featuring die Hits »Die große Sporadische« und ja, »Timo Blunck«.
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Palais Schaumburg
Palais Schaumburg
1981
Das waren Zeiten! Holger Hiller schrieb noch Texte am Fließband und Ralf Hertwig hatte den schönsten Lockenschopf Meiendorfs. Auf der Bühne fiel Timo Blunck eher durch das Verteilen von blutigen Nasen als durch seine Bassläufe auf und Thomas Fehlmann erfand die einhändige Trompetenhocke. Menschlich kamen die 4 nicht so klar, aber sie schafften es trotzdem, sich einen Sommer lang zusammenzuraufen und diesen »Meilenstein der deutschen Musikgeschichte« aufzunehmen. Produziert von David Cunningham (Flying Lizzards).
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Die Zimmermänner
Fortpflanzungs-supermarkt
2007
Das erste Album der Zimmermänner nach einer fast 25-jährigen Pause ist Timo Bluncks Favorit. Die Technik konnte in den 00ern endlich mit der Imagination unser beiden Helden mithalten und unter der Ägide so namhafter Produzenten wie Christoph Kaiser, Marco Dreckkötter und Niels Lorenz entstanden Preziosen a la »Ich bin ein Wurm«, »Mama, Baby, Joe« und natürlich »Christiane Paul«. Gibt's physisch mittlerweile ausschließlich als Doppelvinyl mit Klappcover, und das kann man auch nur direkt per e-mail bei shop@timoblunck.com bestellen.
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Timo Blunck
Timo
1992
Dieses Album darf es eigentlich gar nicht geben. 1991 nach seinem Umzug nach London im eigenen Studio in Fulham produziert, ließ sich Timo Blunck für sein erstes Solo-Outing etwas zu intensiv von der Sample-Muse küssen - ohne je irgendwelche Rechte zu klären. Zum Glück war seine Plattenfirma RCA noch ahnungsloser als er und die Platte erschien. Wäre sie erfolgreich gewesen, säße Blunck jetzt wahrscheinlich im Gefängnis.
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Palais Schaumburg
Lupa
1982
Von dieser Platte kann Timo Blunck nur abraten - sie klingt fürchterlich. Zum Glück kann man sie nicht mal streamen und es gibt nur noch ein paar Exemplare. Welcher Teufel die jungen Männer ritt, Avantgarde Musik mit einer Pop-Produktion a la Trevor Horn zu kreuzen, ist nicht nur unserem Protagonisten schleierhaft. Dabei nahmen die Jungs damals noch gar keine Drogen! Außerdem konnte Walter Thielsch Holger Hiller als Frontmann nie ersetzen. Vielleicht hätten sie ja doch lieber als Trio weitermachen sollen. Mit Blunck als Sänger!
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Grace Kairos
Fall In Love With Frank
1987
Die Grace Kairos sind nicht Timo Bluncks Lieblingsgruppe. Der Versuch, Westcoast mit norddeutscher Hedonisten-Attitude zu mischen, scheiterte beim Debut der von Blunck unter Absolventen des Hamburger Pop-Kurses gecasteten Band glorios. Außerdem entschloß sich der Künstler hier, auf Englisch zu singen - keine gute Idee, für die Texte schämt er sich heute. Und ihm ist sonst eher wenig peinlich.
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Grace Kairos
Emotionspark
1989
Das zweite Album der Grace Kairos (der Name bedeutet übrigens »Die Anmut des günstigen Moments«) funzt schon besser. Im Orinoco-Studio in London von Ray Shulman und Gerard Johnson produziert, klingt diese Platte teilweise richtig nach Musik - alles ist live, denn eins konnten die Kairos: spielen! Drummer Tim Lorenz ist mittlerweile ein Session-Superstar und Ralf Denker wohl der beste Gitarrist Deutschlands.
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Die Zimmermänner
Die Wäscheleinen waren lang
2014
Diese ursprünglich limitierte Box mit dem gesamten Frühwerk der Zimmermänner hat es in sich: Die zwei 80er Alben »1001 Wege, Sex zu machen, ohne daran Spaß zu haben« (1981) und »Goethe« (1984) sind jeweils mit Bonustracks vertreten, dazu die EP »Zurück in der Zirkulation« (1983) und alle Singles. Auf 2 weiteren CDs gibt es einen Konzertmitschnitt (»Live in Onkel Pö's Carnegie Hall 1984«) und 18 (!) bislang unveröffentlichte Songs als 4-Spur Demos (»Das Jahr der fliegenden Fische«). Im Boxset enthalten sind außerdem 5 Booklets mit vielen Fotos und Linernotes verschiedener Autoren, plus ein paar launigen Zeilen unseres dynamischen Duos. Die insgesamt 5 Alben lassen sich z. Zt. nur separat auf Spotify streamen oder einzeln bei shop@timoblunck.com als CDs bestellen (solange der der Vorrat reicht!). Timo Blunck ist sich übrigens nicht zu schade, das eine oder andere Exemplar zu signieren (zur Not auch mit Geburtstagsgruß).
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Die Zimmermänner
1001 Wege Sex zu machen ohne daran Spaß zu haben
Das könnte Sie interessieren: Auf »1001 Wege ...« befindet sich nicht nur Timo Bluncks erster Song »Ruf mich an«, sondern auch sein schlechtester: »Von Wedel bis nach Jericho«. Als wäre es nicht Stümperei genug, dass Blunck sich hier nur eines Akkords bedient (ein Major7-Barré-Chord, mit dem er unverändert über das Griffbrett rutscht), er betont auch noch jedes zweite Wort falsch! Außerdem klaut er bei »Wo gehe ich hin« den Text von »Where Do I Go« vom »Hair«-Soundtrack. Wollen mal hoffen, dass Plagiat nach 40 Jahren verjährt! Das könnte Sie vielleicht noch viel mehr interessieren: Während TB zum Glück in den letzten 4 Jahrzehnten zumindest ansatzweise besser geworden ist, war DD schon immer gut. Sein erster Song »Ein halbes Jahr« ist auch nicht schlechter als sein zur Zeit letzter, »Der Weg zu mir« von »Ein Hund namens Arbeit«.
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Timo Blunck
HATTEN WIR NICHT MAL SEX IN DEN 80ERN? (DELUXE)
2018
Das macht Timo Blunck nie wieder: Die alte Hutschachtel mit dem Leopardenmuster rauskramen und all diese Familienfotos für eine Sonder-Edition seines 2. Solo-Albums zur Verfügung zu stellen. Designt von seinem Sohn Nicolas Blunck, enthält dieser Klappcover-Longplayer (oranges Vinyl!) ein 16-seitiges Booklet und den gleichnamigen Roman als Hörbuch, vom Autor gelesen.
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Musik Videos
Charlie Keller - Ernst Thälmann, mi amor (2021)
Timo Blunck ist ein recht passabler Sänger. Da ist er mal ausnahmsweise nicht ganz so bescheiden wie sonst. Allerdings hat er kaum noch ‘Pieps’ gemacht, seitdem er Franziska Herrmann kennt. Die Frau singt ihn auch an schlechten Tagen mit links an die Wand! Deshalb hat er ihr bei diesem Projekt den Vortritt gelassen. Eine weise Entscheidung! An Tasten und Saiten ist er diesmal auch nicht allein, sein alter Weggefährte Frank Schmiechen spielt die Gretsch Country Gentleman (das ist eine Gitarre) und Roland Wolff so ziemlich jedes andere Instrument. Letzteren kennt Blunck übrigens nur per Zoom. Scheiß Corona!
Timo Blunck - Anfänger für Fortgeschrittene (2025)
Timo Blunck nutzt künstliche Intelligenz schon seit 2023, als er einem Mitarbeiter mit ChatGPT in einer Minute ein Arbeitszeugnis ausstellte, für das er sonst eine Stunde gebraucht hätte. Dieses komplett positive Erlebnis konnte er leider nie wiederholen. Obwohl er sogar an Workshops zu Bild- und Video-Generation teilgenommen hat. Dabei ist allerdings nur hängengeblieben, dass man »bei KI eben Abstriche machen müsse«. Blunck liebt Realsatire und so dreht er in diesem Video den Spieß um: Sein Protagonist Dr. Ludwik Lejzer Zamenhof sieht trotz gleichen Prompts immer wieder anders aus, wie in einem Film, in dem jede Szene neu gecastet wurde.
Timo Blunck - Die nackte Göttin (2025)
Timo Bluncks erstes TicToc-Video - hochkant und inspiriert von den typischen Moves der Platform. Allerdings tanzen hier die Götter und Helden der Antike im Stil von Taylor Swift und Co., dazu lip-synct Michelangelos David. Auf die Frage »ist das eigentlich legal« konnte Bluncks Anwalt nur mit den Schultern zucken. Btw.: Diese Clips sehen so selbstgebastelt aus, weil sie genau das sind: selbstgebastelt. Budget 0 Euro. Willkommen in der Streaming-finanzierten Musiker-Realität.
Charlie Keller - Da vorne wird’s schon wieder hell (2022)
Nicht nur ist Franziska Herrmann die kompetentere Sängerin, sie schreibt auch die besseren Instagram/Facebook-Texte:
»Da vorne wird’s schon wieder hell« ist der hoffnungsstiftende Ausruf den wir unter grauschwarzen Wolken brauchen.
So auch Charlie. Sie singt in der Ballade von ihrer inneren Aufbruchsstimmung und davon, wie die Musik sie aus der Realität gerettet hat. Es ist vielleicht der emotional direkteste Song der Vinyl und ich freue mich sehr über das so schön verträumt triste Video auf dem Rummel. Wir fanden Einsamkeit, wo sonst viele Menschen nach glücklichen Momenten haschen.
Die bezaubernden Herren in schwarzweiß sind natürlich die grandiose Band : Timo, Roland und Frank. Ich danke Euch für all die Stunden die ich in Euren schwebenden Klänge in diesem Jahr verbringen durfte. Es waren zu wenig!
Timo Blunck - Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern? (2018)
Hier geht Timo Blunck voll 80er! Obwohl, »lässt sich gehen« trifft den Nagel wohl etwas passender auf den Kopf. Am Set in Schlafanzug und Bademantel, Pulle in der Hand und billiges Goldimitat am Hals, kurz: Ein weiteres modisches Lowlight in der langen Liste geschmacklicher Entgleisungen unseres Protagonisten. Zum Glück spielt Sohn Elliot Blunck die Hauptrolle in diesem flotten Promo-Clip zum gleichnamigen Album. Und der junge Adonis stiehlt seinem alten Herrn mit Recht die Show, hat er doch das vollere Haar und die besseren Moves. Der schmissige Scritti Politti-Remix kommt übrigens von einem weiteren Youngster, Jakob Klotz / aka Jakob From Earth. Der war 1983 noch nicht mal in Planung!